Kategorie-Archiv: Allgemein

Serbisch lernen

Mein Serbisch ist noch weit von „Verhandlungssicher“ entfernt. Aber immerhin traue ich mich inzwischen Schinken an der Wursttheke zu kaufen und letzte Woche war ich sogar zum ersten Mal auf dem Markt. Die Verkäufer fanden mich und das Baby im Tragetuch mindestens genauso spannend wie ich sie und reagierten begeistert auf meine paar Broken Serbisch. An einem Stand kaufte ich schließlich fast fehlerfrei Salat, rote Beete und ein paar Äpfel und tauschte mit der Verkäuferin noch ein paar Nettigkeiten aus. Also sie sagte ein paar nette Sachen über Clara (vermute ich), und ich lächelte freundlich, nickte viel und bedankte mich mehrmals. Nur als ich mich verabschiedete sah sie mich verwirrt an. Erst einige Minuten später viel auf ein warum: Ich hatte mich mit einem fröhlichen “Ponedeljak” (Montag) statt “Prijadno” (Tschüss) von ihr verabschiedet!

Und was macht eigentlich Rüdiger?

So… Ich habe von Anne den Auftrag bekommen, auch mal einen Beitrag für unseren Blog zu schreiben, und zwar, da das offensichtlich niemand so richtig versteht und aus irgendwelchen Gründen alle brennend interessiert, über meine Arbeit!
TEF
Meine Arbeit könnte ich in einem Satz beschreiben: Ich bin verantwortlich für die TEF! Da das aber leider nur ein BOSCHler versteht, muss ich wohl etwas weiter ausholen…
Ich arbeite hier beim BOSCH in einer Abteilung namens TEF. Genauer gesagt bin ich für diese Abteilung verantwortlich. TEF steht für Technische Funktionen und es handelt sich dabei um eine Support-Abteilung für die Produktion. Ich bin hier für vier Bereiche verantwortlich:
  1. Der erste ist der technische Support für Fertigungsprozesse, wie zum Beispiel Montagetechnik, Fräsen, Ultraschallschweißen, Stanzen, Biegen, Crimpen, etc… d.h, bei mir sitzen Prozessspezialisten, die sich extrem gut in ihrem jeweiligen Prozess auskennen und bei technischen Problemen, also Funktionsstörungen, oder durch den Prozess verursachten Fehlern am Produkt, die Maschinen wieder auf Trapp bringen. Neben dem Prozesssupport kümmern sich diese Spezialisten auch um die Applikation von diesen Prozessen für neue Anwendungen und Fertigungslinien. Außerdem sitzen in diesem Bereich auch noch Projektleiter, die für die Projektierung von neuen Fertigungslinien verantwortlich sind.
  2. Der zweite Bereich kümmert sich um das ganze Thema Instandhaltung! Die Kollegen der korrektiven Instandhaltung sorgen dafür, dass die Fertigungslinien wieder laufen, wenn mal was nicht stimmt. Die Kollegen der präventiven Instandhaltung sorgen dafür, dass die Fertigungslinien erst gar nicht stillstehen, indem sie vorbeugende Wartungsarbeiten durchführen. Soweit so gut… Die Bereiche drei und vier sind wohl etwas schwieriger zu verstehen…
  3. Der dritte Bereich heißt Industrial Engineering. Hier kümmern wir uns um Standards in der Fertigung, die Einhaltung von Ergonomiestandards an manuellen Arbeitsplätzen und um das ganze Thema Zeitwirtschaft. Das heißt, wie lange benötigen die Mitarbeiter für ihre Arbeitsinhalte, welche Taktzeiten erreichen wir dadurch in den Linien und was bedeutet das für die Kosten des Produkts!
  4. Der vierte Bereich schimpft sich Launch und Change Management. Das das zu komplex ist, versuch ich gar nicht erst, das zu erklären ;-)
Meine Abteilung hat aktuell 13 Mitarbeiter und ist ständig am wachsen. Ich habe in den nächsten zwei Wochen allein 30 (!) Vorstellungsgespräche, weil ich im Moment 10 neue Stellen zu besetzen habe!
Das stellen wir in Serbien her

Das stellen wir in Serbien her

Neben dem Tagesgeschäft und der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern kümmere ich mich aktuell noch sehr viel um Kompetenzmanagement, also den systematischen Aufbau von Wissen, und führe nebenbei noch einen Ausbildungsgang zum Industriemechaniker nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems in Zusammenarbeit mit einer Schule in Belgrad und dem serbischen Kultusministerium ein.  Wenn das jetzt alles noch zu unkonkret ist… Wir stellen hier im Fertigungswerk Scheibenwischer her und es arbeiten aktuell 150 Leute hier. Geplant ist eine Steigerung auf über 1000 innerhalb der nächsten zwei Jahre.
Wie ihr euch also vorstellen könnt gibt es wirklich extrem viel zu tun. Da die Arbeit aber auch sehr spannend ist und viel Spaß macht, sind die vielen Stunden im Büro gar nicht so schlimm!
Wer jetzt noch nicht beim Lesen eingeschlafen ist, dem kann ich gerne noch viiiiiel mehr erzählen. Das nächste mal melde ich mich wieder mit nicht so trockenen Themen!!!

Schlechte Ware für viel Geld

Gestern war ich in einer neuen Shoppingmall in der es wirklich alles gibt, was sich das konsumfreudige Mädchenherz so wünscht. Bei Accessorize surfte ich unter anderem durch die Haarspängchen. Ein kurzer Blicks aufs Preisschild – 600 serbische Dinar (ca. 5 Euro) –  ok, für so in bisschen goldangepinselten Metallschrott eigentlich viel zu teuer, aber eigentlich finde ich die Spänchen echt schön….bis mir mal die Verhältnismäßigkeit auffiel: Diese vier Billigspängchen kosten so viel, wie eine Haushaltshilfe hier pro Stunde verdient.

Accessorize sind nicht die Einzigen, die ihre Ware zu (für serbische Verhältnisse) völlig überzogenen Preisen verkaufen. Dieses Phänomen ist mir hier auch bei anderen westlichen Marken aufgefallen: Produkte wie Kleidung, Schuhe und Accessoires, deren Qualität bestenfalls mittelmäßig ist, werden in einem armen Land zu den gleichen Preisen wie in Deutschland verkauft. Im Endeffekt geben dadurch gerade die Armen ihr hart verdientes Geld für minderwertige Ware aus, in dem Glauben, sich etwas zu gönnen.

An dieser Stelle darf sich jetzt jeder selber ein Urteil über diese Geschäftspraxis bilden…

News aus der Lazarettabteilung Belgrad

Dieses Wochenende haben wir kaum das Haus verlassen. Mira hat sich ihre erste dicke Grippe eingefangen und hing mit Fieber, Husten und Schnupfen ganz schön in den Seilen….bzw. die meiste Zeit am liebsten auf ihrem Papa drauf.

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Und mir gings auch nicht so gut. Ich habe eine Brustentzündung (sauschmerzhaft!) und durfte am Sonntag mal testen, wie lange man bei einem Notfall im Krankenaus so braucht. Das Ergebnis war schon ziemlich beeindruckend. Nachdem wir angerufen hatten wurde uns zugesagt, dass in 30 Minuten ein Gynäkologe da ist. Der kam 5 Minuten später (wofür sich alle 10 Mal entschuldigt haben) ich kam sofort dran und nach einem kurzen Abstecher zur Apotheke waren wir eine Stunde nach dem Anruf wieder Zuhause. Die Behandlung fand in einer Privatklinik statt und ich weiß jetzt schon, dass ich diesen Service später auf jeden Fall mal vermissen werde ;-)

Das Lazarettwochenende hat uns aber nicht wirklich einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den letzten Tagen hatten wir hier mit dem „Koshava“ – einem mehrere Tage andauernden, sehr starken Wind – zu kämpfen. Die Böhen waren so stark, dass sie einen draußen praktisch umgeweht haben, und eisig kalt. Freiwillig wären wir also eh nicht vor die Tür gegangen.

Mir geht’s inzwischen ein bisschen besser, ich nehme aber immer noch Antibiotikum und halte die Füße still – nochmal brauch ich das nicht.

Der Schnee ist da!

Wir hatten in Belgrad im Januar mit viel Schnee und eisigen Temperaturen gerechnet und dann war es an meinem Geburtstag 15 Grad warm. Ich muss sagen, so ein bisschen enntäuscht war ich ja schon. Aber jetzt ist er da der Schnee… und das Glatteis, auf den teilweise weder geräumten noch gestreuten Strassen (und hatte ich schonmal erwähnt das Belgrad extrem hügelig ist?). Am Wochenende (genau genommen am Sonntag – yep, da haben die Geschäfte auf!)  haben wir schnell nen Schlitten gekauft und den Hügel bei uns im Garten getestet! Das Ergebnis: läuft! Und zwar richtig gut! Mira hat darüber hinaus ausgiebig den Schnee getestet: wie schmeckt der, wieso werden die Hände kalt und die Füße nass, wie fühlt sich Schnee im Gesicht an wenn man der Länge nach reinfällt und wieso knirscht das so unter den Füßen:

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Stell dir vor du hast Kinder und alle helfen mit!

Ich muss hier mal ein kleines Loblied auf die serbische Gesellschaft singen: ich habe mich mit den Kindern noch nie so willkommen gefühlt wie hier! Insgesamt sind die Serben unheimlich aufgeschlossen und gehen auf die Kinder zu. Mira wird ständig angesprochen, gestreichelt (ist gewöhnungsbedürftig, gebe ich zu) und gelobt: wie süß sie ist, was sie schon alles kann, wie niedlich sie angezogen ist….you name it! Darüber hinaus unterstützen die Serben einen mit Kindern im Alltag durch viele kleine Aufmerksamkeiten:

  • In Restaurants sind Kinder immer willkommen – auch in den guten und sehr guten Restaurants. Sie werden begeistert begrüßt und es ist uns schon mehrfach passiert, dass ein Teil der Belegschaft nachher mit Mira gespielt hat.
  • In Supermärkten wird für uns in der Regel eine neue Kasse aufgemacht, damit wir mit den Kindern schneller durchkommen.
  • Kürzlich haben mich in der Post 16 (!) Leute vorgelassen, damit ich mit Clara nicht anstehen muss.
  • Die zerbrochene Vase im Hauseingagz hat unsere Vermieterin nur mit einem Schulterzucken und “Kinder dürfen das” kommentiert.
  • Auf der Straße wurde ich von ein paar Teenies angesprochen, ob sie mir dabei helfen sollen den Kinderwagen aus dem Auto zu holen.

Die Leute begegnen den Kindern unvoreingenommen, freundlich und extrem rücksichtsvoll und das macht das Leben so viel einfacher und entspannter. Davon können sich die Deutschen gerne mal ne kleine Scheibe abschneiden.

Hier kommen noch ein paar Bilder von Clara, die inzwischen ein richtig waches kleines Baby ist:

IMG_7364 Ein echtes Highlight ist für sie auch das Mobile. Sieht man, oder?IMG_7368

IMG_7371 IMG_7369Es macht  so viel Spaß ihr beim Wachsen und Erkunden zuzusehen. Wenn man sie anlächelt lacht sie zurück und macht dabei kleine Juchzgeräusche. Mira ist nach wie vor begeistert von ihrer “Gaija” und unheimlich fürsorglich: sie meldet uns wenn Clara hungert hat, die Windel voll sein könnte oder sie vielleicht eine Decke braucht. LOVE!

Wir strecken die Fühler aus: der erste Ausflug in die Belgrader City

Bei meinem ersten und bishher einzigen Besuch in Belgrad hat es in Strömen geregnet, deshalb war ich gespannt auf unseren ersten Besuch in der Innenstadt.

 

Wir sind die Knez Mihailova (die Haupteinkaufsmeile) bis zum Kalemegdan (die große Festung) hochgemummelt. Der erste Eindruck? Hier ist ja niemand! Anscheinend krabbeln die Belgrader erst gegen 11/12 Uhr aus den Federn. Vorher ist in der Fussgängerzone jedenfalls nichts los und viele Geschäfte haben auch noch zu.

Der zweite Eindruck: das ist hier ein Shoppingparadies. Also liebe zukünftigen Besucher: fangt bitte schonmal an zu sparen! Belgrad ist eine Weltstadt und wer als internationale Marke etwas auf sich hält, ist in der Innenstadt (oder einer der großen Malls in der Stadt) vertreten.  

Im Hintergrund seht ihr die neue Brücke...

 

Wir haben den Tag bei frühlingshaften Temperaturen (für die Formulierung gibts nen Euro ins Phrasenschwein, aber wie soll ich 15 Grad im Januar sonst beschreiben) erstmal mit einem Kaffee begonnen und sind dann langsam durch die Fußgängerzone zu dem neuen Spielplatz unterhalb der Festung gebummelt.  Der Spielplatz hat definitv das Zeug zum Stammspielplatz: neue  Spielgeräte, genug Bänke, schattenspendende Bäume, Parkplätze um die Ecke und einige Coffee to go Läden in unmittelbarer Nähe ;-)

Statt Brezen snacken die Belgrader Popcorn. Hier gibt es gefühlt an jeder Ecke einen Stand, an dem man gesalzenes Popcorn kaufen kann….gerne auch  rot, gelb, grün oder gelb eingefärbt. Ich LIEBE gesalzenes Popcorn und Mira spielt gerne mit Popcorn Hänsel & Gretel. Also eine win-win Situateion!

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Auf dem Rückweg füllte sich die Fussgängerzone langsam mit Leben: überall machten kleine Stände mit Kunsthandwerk auf, an der Seite verkauften einige Frauen  selbstgehäkelte Spitzendeckchen und selbstgestrickte Handschuhe, in einer Seitenstraße öffnete  ein  Bücherflohmarkt und überall standen auf einmal Straßenmusiker, Clowns oder Puppenspieler.

Es gibt viel zu entdecken, ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Ausflug!