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Serbien: jede Geschichte hat zwei (oder mehr) Seiten

Serbien ist in den Medien selten Symphatieträger: Der 2. Weltkrieg, der Jugoslawienkrieg, der Kosovokonflikt und jüngst das Gerangel bei dem Fussballspiel gegen Albanien und die wenig freundlichen Worte von Ministerpräsident Vučić beim Besuch des albanischen Premier in Belgrad. Serbien hat regelmässig die Rolle des Agressors…

Aber ist die Geschichte Serbiens tatsächlich so schwarz und weiß wie sie uns in Deutschland verkauft wird? Serbische Freunde haben uns den Film “The Chains of War” empfohlen, um mal ein Gefühl für die serbische Sicht der Dinge zu bekommen.

Die Dokumentation im Michael Moore Stil ist ein bisschen überfrachtet mit Daten und Infos und ist streckenweise ziemlich polemisch. Aber wenn man sich davon mal frei macht, gibt sie einen interessanten neuen Blickwinkel. Wer sich tatsächlich für Serbien und die Probleme auf dem Balkan interessiert, dem sei diese Dokumentation ans Herz gelegt! Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

Trend: eine dicke Lippe riskieren

Belgrad ist nicht nur beliebtes Ziel für Zahntouristen, sondern auch für Schönheits-OP-Reisende. Die Ärzte sind gut ausgebildet und die Behandlungen im Vergleich zu Deutschland günstig. Auch Serbinnen legen sich augenscheinlich gerne unters Messer.   Gross im Trend: XL-Busen, was bei den meist sehr schlanken Frauen nicht immer vorteilhaft aussieht. Im Moment scheint es auch fette Rabatte für dicke Lippen zu geben. Im Supermarkt sind mir eben gleich drei Damen über den Weg gelaufen, die aussahen als hätte sie vor nicht allzulanger Zeit ein Wespennest ausgehoben….ohne Schutzkleidung versteht sich. Vielleicht gibt es auch einen Arzt der Mengenrabatt gibt? Zwei Gesichts-Schlauchboote für den Preis von einem…

Spannend….ich werde an dem Thema dranbleiben!

Belgrader Geschichten

Ich musste heute Morgen ein paar Dinge erledigen und stand auf dem Rückweg im Stau vor dem großen  „Kreisel des Todes“ (hier will morgens gefühlt ganz Belgrad durch). Da fiel mir ein alter Mann mit Stock am Straßenrand auf, der auf eine Lücke im Verkehr wartete. Ich winkte ihn rüber und er ging….langsam…..sehr langsam…..

Er sah mich etwas verlegen an und ich grinste ihm zu. Er sah mich nochmal an, lächelte langsam und ich streckte meinen Daumen hoch. Laaaangsam ging er an meinem Auto vorbei und zu meiner Überraschung um das Auto herum zur Fahrertür. Er griff in seine Brusttasche und reichte mir eine Tafel Schokolade durch das Fenster: Milka Traube Nuss. Genau die Sorte, von der ich gestern Abend das letzte Stückchen gegessen hatte.

Land unter in Serbien – Gerüchteküche

Uns geht es gut, aber die Gerüchteküche brodelt. Am Freitag kam es zu langen Schlangen vor den Supermärkten, weil angeblich das Leitungswasser in Belgrad verschmutzt sei. Die Nachricht wurde kurze Zeit später wieder zurück genommen – es ging nur um das Leitungswasser in den Flutgebieten – da gab es in Belgrad aber schon kein abgepacktes Wasser mehr zu kaufen. Heute habe ich gehört, man solle keine serbischen Erdbeeren essen, diese seien kontaminiert. Wieso und weshalb konnte mir aber niemand sagen. Und ob eine ordentliche Dusche mit Belgrader Leitungswasser das Problem behebt, wusste auch niemand.

Fazit: das Wasser für Clara wird erstmal abgekocht und Obst und Gemüse gründlich gewaschen.

Es ist wirkt bizar:r das Wetter ist wunderschön, die Sonne scheint, unser Alltag geht weiter wie immer. Und 70 km weiter kämpfen die Menschen ums Überleben. Die warmen Temperaturen verschärfen die Seuchengefahr. Außerdem drohen Mücken- und Rattenplagen. Inzwischen wird immer mehr Hilfe über die sozialen Netzwerke koordiniert. Meldungen wie diese treiben mir die Tränen in die Augen:

„ATTENTION!!!! NEED HELP!!!!! critical assistance is needed! PLEASE forward on to those who can provide water! hey man, sorry to bother you right now, but I kinda need your help. I’ve updated you about the floods in Smederevska Palanka, but now I need some serious help my friend. We ran out of drinking water a few days ago. The situation has reached the critical point… People are thirsty, and we have zero water to drink. I’m fine considering I’m in a non flooded village, but our wells are running dry making us unable to help. If you can help us, please do so. I know you’re a great man and a great friend, and right now, I need you again. and we’re also lacking on personal hygiene products”

Und immer wieder gibt es dazwischen Meldungen von Menschen, die Initiative zeigen:

“Hedonist Hostel can accommodate flood victims and foreign volunteers the next 10 days from tonight. Address Simina 7, Belgrade. Crveni Krst is located in the same street nearby so that’s convenient too. If you know anyone in need please let us know.”

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: bitte spendet!

Ich habe heute zwei große Säcke mit Kinderkleidern abgegeben und werde in den nächsten Tagen Wasser und Hygieneartikel bei den Auffanglagern vorbei bringen. Aber gerade die Menschen, die alles verloren haben benötigen in den nächsten Monaten dringend finanzielle Hilfe!

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen:

Spenden-Stichwort: Balkan-Hilfe
Spendenkonto: 10 20 30
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30
(Festnetz kostenfrei, mobil höher)
Sicher online spenden: zum Spendenformular (Spenden per Lastschrift, Kreditkarte, per PayPal)

Land unter in Serbien – wir brauchen eure Hilfe!

 

Menschen, die von Dächern auf sich aufmerksam machen, Tierkadaver, Kleinkindern in Schlauchbooten, eingestürzte Häuser und immer wieder Wasser, Wasser, Wasser! Im serbischen Fernsehen sind auf allen Kanälen die gleichen Bilder zu sehen:  Serbien im Griff der Jahrhundertflut.

Die Bilder erinnern stark an die Oderflut von 2012. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: diese Katastrophe trifft eines der ärmsten Ländern Europas. Ein Land, in dem die Menschen im Durchschnitt 360 Euro im Monat verdienen, der Liter Milch aber trotzdem 60 Cent kostet.

Rund 25.000 Menschen wurden in Serbien in den vergangen Tagen evakuiert. Für andere kam diese Hilfe zu spät: sie sind seit sechs Tagen von der Außenwelt abgeschnitten und warten auf Lebensmittel und sauberes Wasser. In ganz Serbien kommt es immer wieder zu Stromausfällen: in der besonders betroffenen Region Obrenovac südlich von Belgrad steht das größte Kohlekraftwerk Serbiens.

Die Solidarität der Menschen ist bewundernswert: wer kann füllt Sandsäcke oder fährt zum Schlammschippen in die Gebiete, in den das Wasser langsam zurückgeht. Tausende von Freiwilligen kümmern sich in den Auffanglagern in Belgrad um die Obdachlosen aus dem Flutgebiet oder sortieren Kleider- und Nahrungsspenden, die abgegeben werden. Andere folgenden dem Aufruf des Roten Kreuz und gehen Blutspenden-,.

Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Tage scheint in Serbien wieder die Sonne, die Temperaturen sind sommerlich. Trotzdem ist ein Ende der Katastrophe im Moment nicht absehbar: die Flut hat tausende von Menschen obdachlos gemacht und ihnen jede berufliche Grundlage genommen. In den ländlichen Regionen sind die Viehherden ertrunken und die Felder vernichtet, die Fabriken sind abgesoffen und Läden nicht mehr nutzbar. Seuchen drohen auszubrechen und welche Gefahr von angeschwemmten Minen und Munition aus den Balkankriegen ausgeht, ist noch nicht abzusehen.

Ohne Hilfe von außen hat Serbien keine Chance – bitte helft!

  • Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen:

Spenden-Stichwort: Balkan-Hilfe
Spendenkonto: 10 20 30
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30
(Festnetz kostenfrei, mobil höher)
Sicher online spenden: zum Spendenformular (Spenden per Lastschrift, Kreditkarte, per PayPal).

 

Miras Geburtstag

 

Happy Birthday Mira

Am 24. April war Miras Geburtstag und wir haben – für Serben ganz untypisch – unser erstes kleines Fest Zuhause gefeiert. Das Motto war „die kleine Raupe Nimmersatt“, denn den „very hungry little caterpillar“ kennen auch Miras neue englische Freunde.

Wir waren uns erst nicht sicher wen wir einladen sollten….und haben dann einfach alle eingeladen: Miras Kindergartengruppe samt Eltern und Geschwister, Rüdigers internationale Kollegen mit Kindern und unsere Nachbarn samt Kindern bzw. Enkeln. Insgesamt waren wir am Ende ca. 30 Personen. Zum Glück hat das Wetter mitgespielt und während die Erwachsenen mit Sekt und Bier auf das tolle Frühlingswetter angestoßen haben, tobten die Kinder durch den Garten. Und ich hatte irgendwann zwischendrin so ein gutes „hier sind wir richtig“-Gefühl: auch wenn wir erst seit wenigen Wochen hier sind haben wir schon so viele nette, offene Menschen kennen gelernt. Und ich habe das Gefühl, dass die Grundsteine für einige wirklich gute Freundschaften bereits gelegt sind.

Natürlich habe ich vergessen während der Party Bilder zu machen. Unsere neuen Freunde muss ich euch also peut a peut vorstellen.

Geburtstagskuchen

Raupe Raupe V Raupe III

Happy Birthday Mira

Kindergeburtstag auf Serbisch

Kindergeburtstage werden in Serbien normalerweise in Igraonicas (Indoorspielplätzen) gefeiert, von denen es jede Menge gibt. Viele Belgrader leben in recht kleinen Wohnungen, häufig zusammen mit Großeltern und Geschwistern, und haben einfach keinen Platz für große Festivitäten Zuhause.

In einem Land in dem viele Menschen gerade so über die Runden kommen, sind die Dimensionen dieser Kindergeburtstage ziemlich erstaunlich. Meistens wird die komplette Klasse/ der komplette Kindergarten plus Eltern eingeladen. Während die Kinder von Animateuren betreut spielen gibt es für die Eltern Kaffee und Kuchen und häufig auch ein richtiges Buffet. Diese Partys haben schon fast den Charakter von Statussymbolen und es wird auch schon mal ein Monatslohn dafür ausgegeben. Nach zwei Stunden ist der Geburtstag übrigens vorbei (das Anschneiden der Torte läutet meistens das Ende ein) und die Mitarbeiter schleusen einen höflich raus.  Die nächste Gesellschaft wartet nämlich oft schon.

KW 11 in Bildern

1. Bei unseren Nachbarn (zufällig auch aus Offenburg, zufällig zur selben Zeit ungezogen, zufällig mit einer Tochter in Miras Alter) verbringen wir oft den Nachmittag.

2, ,3 + 4 Wir spielen aber auch gerne bei uns im Garten. Hier gibts nämlich ne Schaukel, ein Spielhaus und nen Sandkasten. Eingeleitet wird der Nachmittag meistens mit einer kleinen Kaffee-Session:  Cappuchino für mich, Babychhino für Mira und Clara pennt im Tragetuch. Einen öffentlichen Spielplatz gibt es hier im Viertel leider nicht. Ich habe einmal zu Fuß einen Ausflug zum Spielplatz im nächsten Viertel gewagt und bin mit den ersten grauen Haaren wieder nach Hause gekommen. Die Leute fahren hier sehr offensiv (Euphemismus für “wie die Sau”) und wenn es Bürgersteige gibt dann sind die entweder zugeparkt oder der Bordstein ist so hoch, dass man mit dem Kinderwagen keine Chance hat. Da bleiben wir lieber in unseren eigenen sicheren vier Hecken und fahren ab und an auf den Spielplatz in einem der Parks.

5. Beim nächsten Ton ist es….6:15 Uhr. Die Mädels sind wach….was man von den Eltern eher weniger behaupten kann. Übrigens war das große Bett damals die beste Anschaffung ever! 4 Personen passen locker rein :-)

KW 9 in Bildern

1. Diese hübschen Holzbriefkästen habe ich im Haus meines Zahnarztes gefunden. Viele Häuser in der Innenstadt sind von außen pfui und von innen hui: schöne alte Fliesen, verträumte Innenhöfe, Stuckarbeiten….hinter den Fassaden kann man kleine Schätze entdecken. Übrigens ist mein Zahnarzt auf Zahnarzttouristen aus England und Deutschland spezialisiert. Also wenn jemand Implants oder so braucht….

2. Lesestunde

3. Unser erster Besuch im Belgrader Zoo. Der Zoo ist wirklich groß und hat sehr familienfreundliche Preise – da gehen wir bestimmt öfters hin. Besonders beeindruckt haben uns die kleinen Kängurus und die Löwen….und hier besonders die Sicherheitsbedingungen. Der Maschendrahtzaun (innen sind nochmal drei gestromte Drähte gespannt) hält zwar die Löwen drinnen, aber keine Kinderhände draußen.

4. Mira & her new ride

5.  Müdes Baby

6. Die Cowboystiefel habe ich mir vor acht Jahren für 2 Euro auf einem Flohmarkt in München gekauft. Und sie halten und halten und halten….

KW 8 in Bildern

Um die Bilder groß zu sehen, einfach eines der Bilder anklicken. Dann kommt ihr in die Galerie-Ansicht.

1. Ausflug nach Avala, dem Hausberg dem Belgrader

2. Denkmal des unbekannten Soldaten in Avala

3. Der Fernsehturm von Avala

4. Einkehren auf Sebisch: Serbischer Salat, Cevapi, frisches Brot und ein Jelen Bier dazu. Lecker!

5. Müde Ausflügler im Kaffee auf dem Fernsehturm

6. Süß: Baby-Nasenküsse

7. Für viele Hochhäuser in Belgrad ist das Wort “Bausünde” noch ein Kompliment. Aber im Nebel sehen selbst solche Häuser irgendwie mystisch aus.

8. Die Aprikosenbäume blühen – im Februar!