Archiv für den Monat: Februar 2014

KW 8 in Bildern

Um die Bilder groß zu sehen, einfach eines der Bilder anklicken. Dann kommt ihr in die Galerie-Ansicht.

1. Ausflug nach Avala, dem Hausberg dem Belgrader

2. Denkmal des unbekannten Soldaten in Avala

3. Der Fernsehturm von Avala

4. Einkehren auf Sebisch: Serbischer Salat, Cevapi, frisches Brot und ein Jelen Bier dazu. Lecker!

5. Müde Ausflügler im Kaffee auf dem Fernsehturm

6. Süß: Baby-Nasenküsse

7. Für viele Hochhäuser in Belgrad ist das Wort “Bausünde” noch ein Kompliment. Aber im Nebel sehen selbst solche Häuser irgendwie mystisch aus.

8. Die Aprikosenbäume blühen – im Februar!

 

Serbisch lernen

Mein Serbisch ist noch weit von „Verhandlungssicher“ entfernt. Aber immerhin traue ich mich inzwischen Schinken an der Wursttheke zu kaufen und letzte Woche war ich sogar zum ersten Mal auf dem Markt. Die Verkäufer fanden mich und das Baby im Tragetuch mindestens genauso spannend wie ich sie und reagierten begeistert auf meine paar Broken Serbisch. An einem Stand kaufte ich schließlich fast fehlerfrei Salat, rote Beete und ein paar Äpfel und tauschte mit der Verkäuferin noch ein paar Nettigkeiten aus. Also sie sagte ein paar nette Sachen über Clara (vermute ich), und ich lächelte freundlich, nickte viel und bedankte mich mehrmals. Nur als ich mich verabschiedete sah sie mich verwirrt an. Erst einige Minuten später viel auf ein warum: Ich hatte mich mit einem fröhlichen “Ponedeljak” (Montag) statt “Prijadno” (Tschüss) von ihr verabschiedet!

Und was macht eigentlich Rüdiger?

So… Ich habe von Anne den Auftrag bekommen, auch mal einen Beitrag für unseren Blog zu schreiben, und zwar, da das offensichtlich niemand so richtig versteht und aus irgendwelchen Gründen alle brennend interessiert, über meine Arbeit!
TEF
Meine Arbeit könnte ich in einem Satz beschreiben: Ich bin verantwortlich für die TEF! Da das aber leider nur ein BOSCHler versteht, muss ich wohl etwas weiter ausholen…
Ich arbeite hier beim BOSCH in einer Abteilung namens TEF. Genauer gesagt bin ich für diese Abteilung verantwortlich. TEF steht für Technische Funktionen und es handelt sich dabei um eine Support-Abteilung für die Produktion. Ich bin hier für vier Bereiche verantwortlich:
  1. Der erste ist der technische Support für Fertigungsprozesse, wie zum Beispiel Montagetechnik, Fräsen, Ultraschallschweißen, Stanzen, Biegen, Crimpen, etc… d.h, bei mir sitzen Prozessspezialisten, die sich extrem gut in ihrem jeweiligen Prozess auskennen und bei technischen Problemen, also Funktionsstörungen, oder durch den Prozess verursachten Fehlern am Produkt, die Maschinen wieder auf Trapp bringen. Neben dem Prozesssupport kümmern sich diese Spezialisten auch um die Applikation von diesen Prozessen für neue Anwendungen und Fertigungslinien. Außerdem sitzen in diesem Bereich auch noch Projektleiter, die für die Projektierung von neuen Fertigungslinien verantwortlich sind.
  2. Der zweite Bereich kümmert sich um das ganze Thema Instandhaltung! Die Kollegen der korrektiven Instandhaltung sorgen dafür, dass die Fertigungslinien wieder laufen, wenn mal was nicht stimmt. Die Kollegen der präventiven Instandhaltung sorgen dafür, dass die Fertigungslinien erst gar nicht stillstehen, indem sie vorbeugende Wartungsarbeiten durchführen. Soweit so gut… Die Bereiche drei und vier sind wohl etwas schwieriger zu verstehen…
  3. Der dritte Bereich heißt Industrial Engineering. Hier kümmern wir uns um Standards in der Fertigung, die Einhaltung von Ergonomiestandards an manuellen Arbeitsplätzen und um das ganze Thema Zeitwirtschaft. Das heißt, wie lange benötigen die Mitarbeiter für ihre Arbeitsinhalte, welche Taktzeiten erreichen wir dadurch in den Linien und was bedeutet das für die Kosten des Produkts!
  4. Der vierte Bereich schimpft sich Launch und Change Management. Das das zu komplex ist, versuch ich gar nicht erst, das zu erklären ;-)
Meine Abteilung hat aktuell 13 Mitarbeiter und ist ständig am wachsen. Ich habe in den nächsten zwei Wochen allein 30 (!) Vorstellungsgespräche, weil ich im Moment 10 neue Stellen zu besetzen habe!
Das stellen wir in Serbien her

Das stellen wir in Serbien her

Neben dem Tagesgeschäft und der Rekrutierung von neuen Mitarbeitern kümmere ich mich aktuell noch sehr viel um Kompetenzmanagement, also den systematischen Aufbau von Wissen, und führe nebenbei noch einen Ausbildungsgang zum Industriemechaniker nach dem Vorbild des deutschen dualen Systems in Zusammenarbeit mit einer Schule in Belgrad und dem serbischen Kultusministerium ein.  Wenn das jetzt alles noch zu unkonkret ist… Wir stellen hier im Fertigungswerk Scheibenwischer her und es arbeiten aktuell 150 Leute hier. Geplant ist eine Steigerung auf über 1000 innerhalb der nächsten zwei Jahre.
Wie ihr euch also vorstellen könnt gibt es wirklich extrem viel zu tun. Da die Arbeit aber auch sehr spannend ist und viel Spaß macht, sind die vielen Stunden im Büro gar nicht so schlimm!
Wer jetzt noch nicht beim Lesen eingeschlafen ist, dem kann ich gerne noch viiiiiel mehr erzählen. Das nächste mal melde ich mich wieder mit nicht so trockenen Themen!!!

Schlechte Ware für viel Geld

Gestern war ich in einer neuen Shoppingmall in der es wirklich alles gibt, was sich das konsumfreudige Mädchenherz so wünscht. Bei Accessorize surfte ich unter anderem durch die Haarspängchen. Ein kurzer Blicks aufs Preisschild – 600 serbische Dinar (ca. 5 Euro) –  ok, für so in bisschen goldangepinselten Metallschrott eigentlich viel zu teuer, aber eigentlich finde ich die Spänchen echt schön….bis mir mal die Verhältnismäßigkeit auffiel: Diese vier Billigspängchen kosten so viel, wie eine Haushaltshilfe hier pro Stunde verdient.

Accessorize sind nicht die Einzigen, die ihre Ware zu (für serbische Verhältnisse) völlig überzogenen Preisen verkaufen. Dieses Phänomen ist mir hier auch bei anderen westlichen Marken aufgefallen: Produkte wie Kleidung, Schuhe und Accessoires, deren Qualität bestenfalls mittelmäßig ist, werden in einem armen Land zu den gleichen Preisen wie in Deutschland verkauft. Im Endeffekt geben dadurch gerade die Armen ihr hart verdientes Geld für minderwertige Ware aus, in dem Glauben, sich etwas zu gönnen.

An dieser Stelle darf sich jetzt jeder selber ein Urteil über diese Geschäftspraxis bilden…

News aus der Lazarettabteilung Belgrad

Dieses Wochenende haben wir kaum das Haus verlassen. Mira hat sich ihre erste dicke Grippe eingefangen und hing mit Fieber, Husten und Schnupfen ganz schön in den Seilen….bzw. die meiste Zeit am liebsten auf ihrem Papa drauf.

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Und mir gings auch nicht so gut. Ich habe eine Brustentzündung (sauschmerzhaft!) und durfte am Sonntag mal testen, wie lange man bei einem Notfall im Krankenaus so braucht. Das Ergebnis war schon ziemlich beeindruckend. Nachdem wir angerufen hatten wurde uns zugesagt, dass in 30 Minuten ein Gynäkologe da ist. Der kam 5 Minuten später (wofür sich alle 10 Mal entschuldigt haben) ich kam sofort dran und nach einem kurzen Abstecher zur Apotheke waren wir eine Stunde nach dem Anruf wieder Zuhause. Die Behandlung fand in einer Privatklinik statt und ich weiß jetzt schon, dass ich diesen Service später auf jeden Fall mal vermissen werde ;-)

Das Lazarettwochenende hat uns aber nicht wirklich einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den letzten Tagen hatten wir hier mit dem „Koshava“ – einem mehrere Tage andauernden, sehr starken Wind – zu kämpfen. Die Böhen waren so stark, dass sie einen draußen praktisch umgeweht haben, und eisig kalt. Freiwillig wären wir also eh nicht vor die Tür gegangen.

Mir geht’s inzwischen ein bisschen besser, ich nehme aber immer noch Antibiotikum und halte die Füße still – nochmal brauch ich das nicht.